Sonntag, 29. November 2009

der explodierende Besenschrank
in der engen Hochhauswohnung meiner Kindheit gab es im Flur einen Besenschrank,
in den hat die Mutter alles hineingestopft,was nicht für andere Augen bestimmt war:
die Hemden vom Vater,die sie nicht gebügelt hatte, obwohl er sie brauchte,teure Stoffe aus denen sie sich- auch heimlich-Kleider in ihrer Übergröße schneidern lassen wollte,Bücher,die sie sich trotz Ausgabenstopp wegen immerknapper Kasse bestellt hatte und jede Menge leere Flaschen,heimlich ausgetrunken und Unrat von dem sie versprochen hatte,ihn zum Sperrmüll zu bringen.
Es war eingentlich fantastisch,wie es ihr gelungen war,soviel Zeugs in einen so kleinen Schrank zu pressen!
Leider öffnete mein argloser Vater an einem langweiligen Samstagmorgen (als er nicht ins Büro musste)diesen Schrank.
Obwohl,soweit kam er gar nicht.
Er drehte den Schlüssel des Schrankes in der Absicht,ihn zu öffnen.
Wie von einer gespannten Feder herausgeschossen,ergoss sich der Inhalt des Schrankes auf ihn, über ihn und um ihn herum.
Der Ahnungslose sah sich völlig unvorbereitet mit einem großen Haufen Unrat,Lügen,Scherben und Geheimnissen konfrontiert,die sich lange dort angestaut
und ihm aufgelauert hatten.
Zwischen den Eltern entzündete sich ein heftiger Streit mit viel Wehgeschrei,der sich erst langsam beruhigte,als sie gemeinsam aufräumten, was aus dem Schrank geflogen war.
Es hat nichts genützt,dass der Vater fürderhin den Schrank regelmäßig kontrollierte und den Schlüssel öfters abzog.
Die Mutter hat im Keller ein neues Depot angelegt und heimlich gekaufte Stoffe, Bücher und Schmuck auf mehrere kleine Schränke verteilt.
"Du hast wohl versehentlich einen Besenschrank geöffnet" ist bei uns seither zum
geflügelten Wort gediehen,wenn jemand unverhofft eine Menge Ungemach und Altlasten auf sich zieht,die nicht mal unbedingt für ihn bestimmt waren.
So gehts mir jetzt mit Schwester Nilla.
Ahnungslos hatte ich sie aufgefordert der Stiefmutter mit etwas mehr Freundlichkeit zu begegnen,da finde ich mich mit Beleidigungen und Vorwürfen überschüttet.
Offensichtlich dem Inhalt einer ziemlich vollgestopften Besenkammer.

2 Kommentare:

sam hat gesagt…

Haha... ich muss gestehen, dass mir auch ein Besenschrank aufgehen würde, wenn mich jemand aufforderte, zu jemandem nett und freundlich zu sein, wenn alles rundum das Gegenteil von Freundschaft atmet.
Irgendwie reizt der Anspruch des weihnachtlichen/verwandtschaftlichen Harmonieterrors die Gegenreaktion - damit sollte man bei den schwarzen Schafen der Familie rechnen, dafür sind sie da :)

Stela hat gesagt…

Hi Sam,
du hast natürlich Recht.Mit meinem ungewohnten Weihnachtsharmonie-aktionismus hab ich Nilla natürlich überfordert.
Danke für den Tipp!
Ich bin mir selbst ein wenig auf die Schliche gekommen,was mich zu solchen Aktivitäten treibt:
in meinem Leben ist grad so eine Um-und Aufbruchstimmung :Haus wird verkauft,Geschäft vllt auch bald oder verpachtet ich will wegziehen
ohne eine Ahnung zu haben wie es dort dann sein wird.Ich hab das Gefühl den kindern ihre Heimat/Basisstation wegzunehmen-auch wenn die das nicht so sehen und um das alles irgendwie auszugleichen oder als
letztes romantisches Fest daheim hab ich mich irgendwie hinter die Organisation von diesem Fest geklemmt.
Wie ich das so schreibe muss ich lachen und mir wird klar,dass das so überhaupt nicht geht.
Und die Schwester als schwarzes Schaf-da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.mit ihren Einlagen hat sie immer die spießigen Ambitionen der anderen gesprengt,entweder durch unmögliches Verhalten oder unmögliche Begleiter-bisher fand ich das sogar originell und irgendwie lustig.
Wird definitiv Zeit wieder etwas lockerer zu werden!!!
Liebe Grüsse,Stela