Am Freitagmittag,bei Sonnenschein,kamen sie,die absolutenTraumkandidaten für unser Haus:
eine entzückende junge Pferdephysiotherapeutin mit Zopf und Nickelbrille.
Mit von der Partie war ihr sympathischer Mann,der ausnahmsweise keine dumme Fragen stellte und ihre Mutter, eine resolut-burschikose Fränkin,humorvoll und voll guter Ideen und praktischer Vorschläge an ihre Tochter gerichtet,die sie ehrfurchtsvoll "die Pferdeflüsterin" nannte.
Sie fanden alles toll:das Haus,den Stall,die Weide,die Katzen.
Der rote Kater zerlegte mitten im Hof eine Maus,so, dass wir über ihn drüber steigen mussten...eine gelungene Showeinlage:er hat noch NIEMALS selbst eine Maus gefangen,ich bin fast sicher,dass er auch diese der Kätzin abgejagt hat.
Leider gibt es bei dieser netten Familie auch eine Ungewißheit,die ich erst gestern erfahren habe:sie müssen zuerst noch ihr bisheriges Haus verkaufen...
So hatte mich der Samstag wieder mit neuen unsinnigen Auftritten von Hausinteressenten im Griff:
Ein Stadtehepaar im schicken Snowboard-Parterlook gestand mir,dass sie eigentlich
nur wegen ihrer zwei bösartigen Schäferhunde aufs Land wollten-natürlich war ihnen das Haus zu gross und die Weide völlig überfüssig.
Eine winzige, sehr hübsche junge Frau kam mit ihrem Partner:sie wollen das Anwesen mit ihren drei Tinker-Pferden(das sind kräftige Scheckenpferde) bewohnen und zeigten sich von allem sehr angetan.
Allerdings-weiß nicht warum-bezweifle ich,dass sie den Kaufpreis aufbringen werden.
Und dann dieses verpeilte deutsch-italienische Künstlerpaar:ich dachte mir meinen Teil schon,als sie zuerst mit ihrem Auto unten im Dorf im Schnee stecken blieben und dann auf den "falschen"Berg wanderten...
Aber nach stundenlangem Navigieren über deren Handy tauchten sie doch noch leibhaftig aus dem Schneesturm auf.Die Künstlerin sagte-sehr esoterisch-"das Haus muss uns finden,nicht umgekehrt" ihr italienischer Ehemann zog die Schuhe aus,nahm die Baskenmütze ab und ließ den unartigeren seiner zwei schwarzen Hunde durch unser Haus jagen.
Nicht nur die Katzen waren heilfroh, als sich diese Rabauken wieder auf den Weg machten...
6 Kommentare:
Wenn's nicht so entnervende Randerscheinungen hätte, wär's recht unterhaltsam, diese Inszenierungen am Fließband zu betrachten, hm?
Ich mein', wer kriegt schon Theater vom Feinsten, ohne das Haus verlassen zu müssen?
Nervenstärkende Grüße,
die Jungfrau vom Niederrhein!
Hi Kvinna,
ich versuch' dem auch einen unterhaltsamen Aspekt abzugewinnen.
Indem ich es mir bloggend von der Seele schreibe gewinne ich schon eine andere Perspektive.
War schon klar,dass unser ungewöhnliches Haus auch keine 0815
Leute ansprechen würde-das wäre vermutlich auch noch ätzender gewesen.
Allerdings ist es jedesmal eine Präsentation des Hauses,die viel Arbeit und Zeit und Energie verschlingt.Das Vorbereiten,Aufräumen ,Putzen etc mein ich ,wir sind ja eher lässige bis nachlässige Menschen...
Aber die "Richtigen" werden schon kommen,das ist wie bei der Partnersuche...
Danke für deine Nervenstärkungen!!1
Stela
Aber irgendwie ist es ja fast eine Vollzeitbeschäftigung. Amüsant zu lesen, weil du ja alles mit einer Prise sarkastischem Humor nimmst. Deine Fotos genieße ich immer.
mir fällt grad ein dass in England die estate agents immer empfehlen, einen Kuchen zu backen, wenn man ein Haus verkaufen will. Vielleicht bei euch eher Hundekuchen?
Hallo Ilse,
ja es ist aufwändig und aufreibend.
Ohne meinen "sarkastischen Humor" ,wie du sagst, wäre ich wohl verloren...überhaupt im Leben.
Sabine (von kingsizefairy)hat mir die Links zu diesen englischen Seiten geschickt und ich hab einige
Tipps darin gefunden.
Es geht hauptsächlich darum,das Haus mit fremden Augen anzuschauen.
Erst da bemerkte ich den Störeffekt mir vertrauter Spinnweben etc.
"Einen Kuchen zu backen" war von Anfang an Teil meines "Stimmungsprogrammes"zusammen mit frischen Blümchen und leiser Musik.
Bei mir musste es allerdings meist ein Fertigapfelstrudel aus der Gefriertruhe tun.
Die Leute sollen den Geruch wahrnehmen,der andere Gerüche übertüncht und ein Gefühl von Gemütlichkeit und Wohlbehagen auslösen
Stela
das nimmt und nimmt kein Ende.... ich drück Dir weiterhin die Daumen
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