Sonntag, 27. Juni 2010

Ob das in den Genen liegt,das Rastlose,das "woanders-hin-wollen",die Suche nach Veränderung?
Keine Ahnung.
Jedenfalls sind meine Eltern nach Brasilien ausgewandert und angeblich auch meinetwegen wieder zurückgekommen:
weil ich die ersten drei Monate meines Lebens nur geschrien haben soll und erst aufhörte,als ich auf deutschem Boden war.
In der Kleinstadt,in der ich aufwuchs hat es mir nie gefallen und ich dachte schon als Kind:
"Wenn ich groß bin,geh ich fort."

Schwester Nilla wechselt ungefähr einmal pro Jahr entweder Job,Partner oder Wohnung.
In manchen Jahren hat sie alles mehrmals verändert.

(Dafür treibt Schwester Dane extrem tiefe Wurzeln in den Grund:ihr Haus(nur 10km von unserer einstigen Wohnung entfernt)ist eine Festung und plant das Leben ihrer Kinder und Kindeskinder fest mit ein.)

Ich habe fast immer in Provisorien gelebt:die alte Wassermühle wurde jahrelang restauriert und war nur auf einem Balken balancierend zu betreten und das Waldhaus hatte erst seit fünf Jahren sowas wie "Schlafzimmer" und "Wohnzimmer".
Aber es sind nicht die Häuser,vor denen ich fliehe.

Es ist die Situation,die ich verändern möchte.

Ich will die geschäftlichen Pflichten loswerden,keine Geldsorgen mehr haben,nicht mehr angebunden sein und endlich wieder reisen und Zeit haben.

Und ich kann mir nicht vorstellen,mich in diesem Dorf hier je wohlzufühlen oder einzuleben.
Die Menschen hier sind mir fremd und nicht nur durch meine roten Haare falle ich auf,wie ein bunter Hund.
Wenn ich gelegentlich,in einem Biergarten oder beim Einkaufen,notgedrungen ihren Unterhaltungen folgen muss,wünschte ich,sie würden eine mir fremde Sprache sprechen.
Dann könnte ich den einen oder anderen Wortfetzen erhaschen und mir selbst ein Gespräch dazufantasieren.
So muss ich verstehen was sie sagen.Wort um Wort.

4 Kommentare:

sam hat gesagt…

Ich kann Dich bestens verstehen! Nicht nur als erprobte Landpflanze, nun 17 Jahre am gleichen Fleck... ausserdem überleben sich manche Geschichten/Orte eben irgendwann.

Ob einer neuer Horizont Lust oder Angst macht, bzw. welche Kraft die stärkere ist, halte ich schon für eine Software-Geschichte. Und eben auch, welche Konsequenzen man zieht, wenns nimmer passt, ob man den Druck zu springen gross genug werden lässt, oder ob man sich oder den Druck lieber beschwichtigt.
Egal aus welchen Gründen:
Wie "Verheissung" sich anfühlt, kann man niemand erklären, der dieses Brennen nicht kennt!
Das ist eine Schütze-Qualität, immer wieder einem neuen Sonnenuntergang entgegenzureiten (müssen)

Meine Doppelt-Schütze- Freundin kommt bald eine Woche auf Besuch. Sie hat sich vor Jahren einen alten Vierseithof im Burgenland gekauft, auch auf einem Buckel mit Übersichtsblick, den nach und nach umgebaut. Nun ist alles neu, schön und fertig, ihr Laden läuft auch - und ihrs ists fad. Das ist typisch - und so sympathisch :)

Stela hat gesagt…

Danke Sam,das tut mir richtig gut!
Deine Freundin aus dem Burgenland würd' ich bestimmt auch sehr mögen!
Für mich ist es auch voll in Ordnung,
dass der neue Horizont,das Ungewisse mir auch Angst macht.
Ich kann es eh nicht ändern,denn das Alte ist vorbei.
Früher machte ich oft den Fehler diese Angst überzubewerten und deshalb nicht loszugehen oder die
Furcht zu überspielen,wegzudrücken.
Genauso wie den Schmerz,den der Abschied bringt.
Wer sagt denn,dass Abenteuer furcht-und schmerzlos zu bestehen sind?
Das hast du schön gesagt,dass sich manche Geschichten und Orte irgendwann überleben,aber scheinbar auch nur für manche Leute.
Für meine Schwester wäre es die Horrorvision schlechthin irgendwann ihr Nest verlassen zu müssen.
Ich wüsste schon gern,ob ich den Laden hier bald verkaufen kann und werde mich deshalb um astrologischen Rat fragend später nochmal an dich wenden..
Liebe Grüsse aus dem richtigen Sommer!
Stela

Paderkroete hat gesagt…

Bin sehr gespannt wie es weiter geht!
Alles Liebe wünscht
die
Martina Paderkroete

MizThreefivesix hat gesagt…

Aber es klingt als würdest du schon ganz gerne loslassen inzwischen. Was für ein Abenteuer! ich bin ein Serien-Nesthocker.