Mittwoch, 10. November 2010

Der Sohn war dreizehn oder vierzehn,da suchte er ein ganz
bestimmtes Lieblingssweatshirt.Als ich feststellte,dass es
noch ungewaschen im Wäschekorb weilte, ranzte er mich wüstet
an.Ich gab ihm damals die einzige mütterliche Ohrfeige,an die
ich mich erinnern kann.(wir waren beide überrascht,denn eigentlich
bin ich weder gewalttätig noch jähzornig)
Zwei Tage später kam er von einem Besuch bei meiner Schwester
(alleinerziehend,voll berufstätig) und ihren
beiden fast gleich alten Söhnen -seinen Cousins- zurück, und bat mich
aufgeregt:"Kannst du mir zeigen wie das mit der Waschmaschine geht
und mit dem Aufhängen und dem Trockner??!!""
Ich hatte eine großartige Erkenntnis gewonnen,die ich sofort in alle
Welt hinausposaunte:Kinder können nicht nur gut für sich selbst sorgen,sie machen das auch noch richtig gern!!!
Da hättet ihr meine Freundinnen ,Bekannten und die Mütter vom Eltern-
abend hören sollen!
"Meine Küche gehört mir!" sagten sie ungefähr so
entschlossen, wie sie"Mein Bauch gehört mir!" sagen würden.
Empörung:"Da lass ich doch die Kinder nicht 'ran!"
und "Rabenmutter-arme Kinder!"
Ratlosigkeit:"Was soll denn ich dann tun,das ist doch mein Resort."
Seitdem hab ich den Mund gehalten,wenn sie über ihre Bügelwäscheberge
jammern und über die faulen Kinder,die nichts im Haushalt helfen.
Die wollen es genauso und dann wollen sie auch noch jammern und sich
selbst bemitleiden!

6 Kommentare:

kvinna hat gesagt…

...und gerade vor ein paar Sekunden riet mir mein Orakel: "Löffle den selbst gekochten Brei!" Ja, in der Tat, das werd' ich wohl müssen. Und jammern will ich ganz sicher nicht. Trotzdem möchte ich anmerken, dass das mit dem "Was du rufst, kommt!" ein ganz schön perfides Spielchen ist. Ich meine, wieso bau' ich mir immer zielsicher ganz genau das, was ich nicht haben will??? Wie kommt das? Wie kann das sein?

Stela hat gesagt…

Hi Kvinna,
es gehört schon ein wenig Übung oder Erfahrung dazu "zielsicher" genau das zu erreichen was du haben willst!
Und oft willst du es ja insgeheim doch anders oder bist zwiegespalten.
Ich bin einerseits eine richtige Glucke,die die Kinder ängstlich hätschelte.Andererseits wollte ich berufstätig sein und da musste ich das Versorgen und die Erziehung zeitweilig abgeben.
Ich hab z.B. viel von der Tagesmutter des Sohnes gelernt,die schon Zweijährige in der Küche helfen und wursteln ließ.Sie hatte auch so viel um die Ohren,dass es gar nicht anders zu schaffen war.
Im Lauf der Zeit komme ich zu der Ansicht,dass Frauen die nur Mutter und Hausfrau sind(was ich keinesfalls werten will!!!)es am schwersten haben,sich abzugrenzen und eigenen Freiraum zu schaffen ,
denn irgendwie sind Haus und Familie ja ihre Hauptaufgabe.
Eine 28 -jährige aus meinem Freundeskreis mit zwei kleinen Kindern hatte kürzlich den "Burnout"
weil ihre Kinder sie vollkommen ausgenommen hatten=sie sich zu 100%hingegeben hatte. Jetzt macht sie eine Ausbildung und es geht ihr besser.
Beruf,Arbeit sind akzeptierte Gründe in unserer Gesellschaft um Freiraum und Mithilfe (im Haushalt) zu fordern.
Ganz anders sieht's aus, wenn eine sagt:"die Zeit brauch ich für mich
SELBST !"oder "ich weiß was besseres mit meiner Zeit anzufangen als zu bügeln!"
Liebe Grüsse,Stela

Sati hat gesagt…

Trefflich beobachtet.
Ich denke, daß eine Mutter und Hausfrau gut weiß, daß sie im Grunde für andere da ist - in dem Sinne, daß sie eben nichts "Eigenes" hat - wie Loriot damals mit dem "Jodeldiplom" klarmachte. Sie verdient auch kein eigenes Geld. Da stelle ich es mir schwierig vor, sich abzugrenzen, da ihre Aufgabe das im Grunde gar nicht vorsieht. Es ist also eine Art Abhängigkeitsstatus - und du beschreibst es sehr klar mit dem "Was soll ich denn dann noch machen, wenn die anderen es selbst können?" Eine "Krönung" ist für mich, wenn Sie Ihm abends seine Klamotten für den nächsten Tag vorlegt.
Ich war als Kind sehr froh,wenn ich in Ruhe gelassen wurde und meines machen konnte!
LG, Sati

planet112 hat gesagt…

danke für deinen text! selber habe ich zwar keine kinder, doch ich meine auch dass kinder manchmal regelrecht zur unselbstständigkeit erzogen werden.

Stela hat gesagt…

Hallo Planet!(Planetinchen?!)
das Problem fängt für mich eigentlich immer erst an,wenn es nicht sichtbar gemacht und angesprochen werden darf.
Eine Mutter oder Oma,die ihre Lieben wie eine Glucke umwärmt, ist ja an sich nicht schlecht.Aber wenn die Kinder dadurch "faul und undankbar" und sie selbst zur Märtyrerin gemacht wird,dann läuft 'was schief...
es ist allerdings sehr schwierig den richtigen Weg zu finden zwischen Verhätschelung und Vernachlässigung, zu viel und zu wenig (Für-)Sorge....sag ich jetzt mal, als Mutter erwachsener Kinder.
Und egal wie du's machst oder gemacht hast,die Kinder und der Rest der Welt werden immer Kritik und Verbesserungsvorschläge parat haben!
Liebe Grüsse,Stela

MizThreefivesix hat gesagt…

so eine vernünftige Mutter! Ich als Nichtmutter habe immer das Gefühl ich muss mich da raushalten, aber du hast SO RECHT!