Was hab' ich diese deutsch-griechische Familie aus dem Nachbardorf um ihren pradiesischen Lebenswandel beneidet: Ganze zwei Vormittage in der Woche hat Vater Janis auf dem Wochenmarkt in der Stadt einen Marktstand mit griechischen Spezialitäten aufgebaut.Wenige Stunden zusätzlich hat es gebraucht, bis er und seine Frau Marga Oliven und Käse etc.eingelegt und die Waren vorbereitet hatten.Den Rest der Woche verbrachten sie mit ihren drei Kindern auf ihrem kleinen Bauernhof mit Gemüsegarten,eigenen Hühnern,Schweinen, Schafen und drei Eseln.
Es gab sogar einen werbewirksamen Zeitungsartikel mit Foto von der ganzen Familie samt griechischem Marktstand und Eseln!
Leider hat Janis letzten Herbst von einem Feinkostladen erfahren, der sich in der Stadt in der Nähe des Marktplatzes befindet und vom Vorbeitzer altershalber und weil er sich nicht mehr gelohnt hat aufgegeben werden sollte.
Da hat Janis kurzerhand und ohne seine Familie zu Rate zu ziehen- zugeschlagen-insgeheim hat er angeblich schon immer einen Feinkostladen gewollt und das Geld vom Markthandel ist ihm auch zu knapp geworden, jetzt wo die Kinder größer sind.
Für den Umbau des Ladens mit schönen Naturholzregalen wurde ein Kredit aufgenommen und dann gings los.
Als ich Marga kürzlich traf, schaute sie sehr verdrießlich drein. Der Gewinn des Ladens geht komplett für die Tilgung des Kredits drauf.Jeden Tag sitzt eines oder mehrere Familienmitglieder von 9 bis 18 Uhr in diesem Laden und die Einnahmen reichen grad für den Kredit!
Da bleibt keine Zeit mehr für Hühner und Schafe , sogar die geliebten Langohren wurden aus Zeitmangel verkauft!
Ich schreib das auf, weil ich in letzter Zeit ständig solche Geschichten in meinem Umfeld erlebe,
und weil meine eigene Geschichte ja auch so ähnlich verlief.
Ich hatte ein "freies Leben" bin früher zu meinen Kunden hin gefahren, hab mir meine Zeit selbst einteilen können und einen schönen Sonnentag oder mehrere einfach frei genommen.
Das ging niemanden was an und das hat auch niemand mitbekommen.
Ich machte mir nicht klar,was es bedeutet, ein Ladengeschäft mit festen Öffnungszeiten zu haben, welche Abhängigkeit dann entsteht ,wenn du Bankkredite brauchst, um Umbauten oder Maschinen zu finanzieren.
Es gibt einen Weg zurück , den gehe ich grad.
Das ist aber viel langwieriger und mühsamer, als es gewesen wäre , sich VORHER alle Konsequenzen klar zu machen und sich zu fragen: WILL ich das wirklich?
Heut frag ich eher andersrum:
WIE soll mein Leben denn aussehen und WIE komme ich dahin?Also meine lieben Feinkosthändlerinnen,Goldschmiedinnen,Galeristinnen, Boutiquebesitzerinnen und Heilpraktikerinnen, die ihr wie ich (unglücklich) jeden Tag von neun bis achtzehn Uhr oder vielleicht von acht bis neunzehn Uhr und samstags auch noch , in euren selbstgemieteten Ladengeschäften sitzt und auf Kundschaft wartet, während draußen die Sonne lacht, lasst uns gemeinsam den Weg zurück antreten.
Zusammen wird uns schon was einfallen: ein Weg aus der täglichen Tretmühle in ein spannendes unabhängiges
nicht untätiges Geschäftsleben!!!