
Vorgestern erhielt ich einen unverschämten Brief.Vielleicht den unver-
schämtesten,den ich je erhalten hatte.Der neue Jagdpächter fordert
michauf, umgehend die Beweidung der Hangwiesen einzustellen,auf
denenmeine Pferde seit elf Jahren unbehelligt einen Teil des
Sommers verbringen.
Ich lehne den Beistand von Mann und Sohn ab und verabrede mich
mit diesem Jäger allein oben auf den Hangwiesen- am Ort des
Geschehens-möchte dieser unverschämten Person in die Augen sehen.
Ich dachte mir's schon:
Seine vorgeschobene Härte bricht,er wird nicht müde, mir seinen Zorn
darüber, sein neues Jagdrevier "eingezäunt" vorzufinden,erklären zu
wollen und sich für die Unmöglichkeit der brieflichen Kontaktaufnahme
in dieser Form zu entschuldigen.
Er ist menschlich gesehen nicht mal unsympathisch:direktes offenes
Lachen,ein Naturmensch,der sogar in persönlichem Kontakt mit dem
Kräuterschamanen Stoerl steht.
..soweit ich das schizophrene Verhalten eines Jägers überhaupt
verstehen kann,der Wildtiere ja hegt pflegt und anfüttert
-um sie dann schließlich doch abzuknallen...
Wir reden,verhandeln und treffen eine Abmachung über eine
eingeschränkte Beweidung diese Saison noch,die für uns beide
akzeptabel ist.
Trotzdem,als ich den Berg hinuntersteige wissen Minki und ich
(die Katze ,die mich begleitet hat),dass nichts mehr ist wie
es war.
Ich sollte eine der Nachbarweiden für meine Pferde pachten können,
denke ich gestern morgen als ich mit den Hunden über die Wiesen laufe.
Komisch,seit Jahren versuche ich durch Anfragen bei den Besitzern
und Bestellungen beim Universum erfolglos die Weide direkt an meinen
Garten angrenzend pachten zu dürfen.
Was jetzt kommt ist ziemlich unglaublich:
Gestern ruft die Erbin des Nachbargrundstücks an(hatte ich gar nicht
mitgekriegt, dass es jetzt einer Erbengemeinschaft gehört) und sagt:
"Sie hatten doch wegen des Flurstücks soundso schon mehrfach angefragt?
Ich denke wir sind jetzt soweit,dass wir es verkaufen wollen..
...haben Sie noch Interesse?"
Ähem,ich wollte es eigentlich pachten.
Es handelt sich um eine 2ha große Obstwiese teilweise Hanglage mit
sonnigen flachen Stellen und jungem und uraltem Baumbestand.
Traumhaft.
Und sicher auch eine größere finanzielle Investition.
"Ich könnte Zeburinder halten und wir könnten eine Besenwirtschaft
aufmachen" frohlockt mein Mann.Von der Hobbytierhaltung zum Halbprofi?
Hab' ich das gewollt?
Ich weiß noch nicht,wie sich das Ganze entwickelt nur eines
steht fest: nichts ist mehr,wie es war.