Dienstag, 2. September 2008

Immer noch im Ereignisstrudel.Gestern hat mir eine Frau eine Wohnung in dem Ort angeboten,
in dem ich mich am liebsten aufhalte. Die Wohnung wäre so billig,dass ich sie durch Mieteinnahmen finanzieren könnte. Die Frau ist Hunde- und Pferdeliebhaberin und lebt in Amerika im gleichen Ort ,wo ich vor über 20 Jahren mal kurz gelebt hatte-wir hatten also gleich 'nen heißen Draht zueinander.
Leider verbindet mein Mann ganz andere Zukunftspläne mit dem möglichen Kauf dieser Wohnung-er will dann Haus und Geschäft hier aufgeben und mit mir in einer Zweizimmerwohnung am See leben.Hilfe!!(abgesehen davon,dass dann Kinder,Hunde,Pferde,Katzen und der hallenweise zusammengetragene Plunder hier woanders unterkommen müsste....)
Das hat mir heut' Nacht den Schlaf geraubt!
Seltsamerweise kommt mit dem Morgengrauen mein normaler Optimismus wieder durch und ich entscheide: wenn er das mit der Wohnung gleich wieder zur Schicksalsfrage macht,dann lass ich's lieber!!!

Montag, 1. September 2008

Im Strudel ständiger Veränderungen.Nichts bleibt, alles wandelt sich ständig,die Ereignisdichte ist fast unerträglich.
Wenige Tage nach Vaters Tod musste ich einen meiner Hunde einschläfern lassen,er war schon sehr lange sehr krank -trotzdem tat es mir sehr weh, denn er war mein ganz besonderer Liebling und hat mich nie ohne einen " Extrabussi" weggehen lassen.
Dann ist es seit einigen Tagen hochoffiziell dass mein Sohn im März nach Japan gehen wird,erst heute brachte DHL ein Dokument mit japanischen Schriftzeichen.
Meine mütterliche Hoffnung,dass der Bub ja nach einem Jahr zurückkommen könnte ,falls er es nicht aushält, hat sich auch zerschlagen:er geht mit seinen japanischen Wohltätern eine Art Vertrag ein,und muss sein Wort geben,dass er mindestens fünf Jahre dort studiert-würde er abbrechen hätten seine Fürsprecher dort ein Problem.
Er will natürlich gar nicht abbrechen,das war nur mein persönliches Hintertürchen.
Ich seh ein dass es eine großartige Chance für ihn ist,aber Abschied nehmen tut sehr weh!!!
Zimtsternchen und seine Freundin sind vor dem Urlaub in einen Bauernhof in der Nähe unserers
Geschäfts umgezogen-wie immer während der Sommerferien.
Dieses Jahr hab' ich allerdings beschlossen,die beiden noch für einige Monate dort zu lassen und meine Ausritte auf die Mittagspause zu legen.
Es bedeutet weniger Arbeit morgens und abends daheim ,aber auch kein Begrüßungsgewieher mehr wenn ich heimkomm'.Richtig ausgestorben ist mein daheim,denn die beiden Hunde kommen tags mit ins Geschäft in ihren Auslauf.
Einzig die Reitgegend hier versöhnt mich: alles gepflegte Graswege auf denen wir fetzen können, zauberhafte Heidelandschaften,einsame Moorseen-alles in der Mittagspause erreichbar
auch hier ist ein Naturschutzgebiet,auch hier treffe ich meist keinen Menschen.
Das Herbstgeschäft hat angefangen und ich beginne bereits die Wochenendevents vorzubereiten.Nach langjähriger Erfahrung betreibe ich einen absolut minimalistischen Aufwand und versuche wirklich nur die Leute mit meiner Werbung anzusprechen,die meine Kunden werden können und meine Produkte auch brauchen.
So stresst mich die ganze Sache nicht so und ich muss auch nur ein Wochenende im Geschäft
verbringen.


Donnerstag, 28. August 2008

28.8.08
Mein Schwesterchen besucht mich grad zum dritten mal in kurzer Zeit mit drei Kindern und zwei Hunden.Zwei ihrer Pferde sind bei meiner Freundin, wo die ganze Bande tagsüber eine Art Reitkurs macht.Morgens schlafen die noch,wenn ich das Haus verlasse aber abends, wenn ich heim komme gibts RAMBA-ZAMBA ohne Ende.
Die Kinder sind irgendwie antiautoritär erzogen,das heisst sie dürfen so ziemlich alles: toben,raufen,vor dem Fenster Fussball spielen,streiten ,zerfen, Lärm machen,durchs Fenster klettern anstatt durch die Tür gehen,meinem Sohn seine heiligen Sportgeräte benutzen,schmutzige Sachen überall und obendrauf liegen lassen etc.
Ich hab' eigentlich kein Problem damit, zu sagen was bei mir in meinem Haus stattfindet und was nicht.
Wirklich kompliziert wird die Situation dadurch,dass meine Schwester mir dabei regelmäßig über den Mund fährt:"Nun lass sie doch,die spielen nur,bist du aber nervig etc.."
leider war noch kein Minütchen da um das dem Schwesterchen mal unter vier Augen zu verklickern und vor den Kindern finde ich solche Gespräche pädagogisch unklug.
So sehr ich sie alle vier liebe,morgen Abend, wenn sie das Haus verlassen haben mach ich erst mal ein Fass auf!!!

Montag, 25. August 2008

25.8.8

Erquickt!Wir waren drei volle Wochen am Bodensee und jetzt bin ich richtig froh wieder daheim zu sein.

Es ist schön hier.

Vaters Tod hab ich verarbeitet- oder er hat mich verarbeitet.

Geweint am Mittag bei meinen Schwestern,am offenen Sarg,in seinem Haus daheim in seinem Garten ,bei der Trauerfeier,bei der Urnenbeisetzung und ALLE Fotoalben angeguckt(hunderte von Bildern).

Wir erhielten seinen handgeschriebenen letzten Willen in seiner schönen markanten Handschrift (Männer haben so selten schöne Handschriften!!!).

Er hat alles ordentlich aufgeführt,keine Zweifel offen gelassen, was besonders für meine Schwestern sehr wichtig war.

Sie sind sehr beruhigt,dass die Erinnerungsgegenstände aus unserer Familie weitgehendst wieder zu uns zurückkehren und ich bin beruhigt,dass er für mögliche Zankäpfel wie z.B.sein Auto eine weise und klare Regelung gefunden hat.

Ich bin froh,dass er auch diese Dinge auf die ihm eigene bockig unbeirrbare Art geregelt hat!

Allerdings-ohne mir einen Heiligenschein aufsetzen zu wollen-ich wäre auch damit zurecht gekommen ,wenn er in (nicht zu ihm passender)schwärmerischer Laune „ALLES“ an seine Stieftöchter vermacht hätte,denn beim Anblick seiner Asche wurde mir wieder mal ganz klar,dass sowieso nichts Materielles übrig bleibt , wenn wir von dieser Welt gehen.

Wieder geweint.Den Tod meiner Mutter vor 23 Jahren nochmal hochkommen lassen und wieder geweint.Sein ganzes Leben nochmal Revue passieren lassen.
Es war ein schönes Leben!
Das viele Weinen hat mich völlig aufgeweicht,durcheinandergewirbelt wie eine Welle und wieder an den Strand gespült.
Gereinigt und durchweicht.
Zuerst hab ich mich geschämt,als ich es merkte: der Tod des Vaters hat mich auch befreit.

Befreit von einem dunklen Geist,der wohl irgendwo in der Jugend meiner Mutter aufgetaucht ist,für Unglück ,Streit und Disharmonie und frühen Tod in ihrem Leben gesorgt hat und zu einem Anteil immer in meinem Vater weitergelebt hat und den er auf gewisse Weise an uns weitergereicht hat…
Es hat mich tief verstört ,als ich diese unglückliche Energie aufstöberte und ich fand erst wieder Trost, als ich anhand der Fotos und Erinnerungen feststellte,dass es auch schöne und glückliche Zeiten im Leben meiner Mutter und meinem Vater gegeben hat.

Ich habe auch verstanden,dass die zweite Frau meines Vaters und ihre Familie ihn teilweise für die zunehmende Traurigkeit und Finsternis der letzten Jahre mit meiner Mutter entschädigt hat.
Durch diese Einsicht kann ich auch die Abneigung gegen diese Frau ablegen und ihr freundlich begegnen.
Die Stimme ,die immer heimlich „Bleibt unglücklich!“ flüsterte, ist verstummt, als ich sie bemerkte!
Nun glaubte ich-etwas einfältig-meine Erkenntnisse und frohe Botschaft direkt an meine Schwestern weitergeben zu können.
Die jüngste Schwester lehnt meine Erkenntnisse ab und besteht weiterhin auf Feindseligkeit der Stiefmutter gegenüber.
Richtig übel hat es meine zwei Jahre jüngere Schwester erwischt: es scheint mir, als müsse sie die Probleme und Krankheiten der Mutter nochmal persönlich durchleben und hat sich schon verschiedenen grusligen Untersuchungen in diversen Krankenhäusern unterzogen. Sie reagiert ziemlich abweisend auf mich und sieht sogar Verrat in meiner Freundlichkeit der Stiefmutter gegenüber.

Die Gegenreaktionen meiner Schwestern zeigen mir, dass ich sie mit meinen Erkenntnissen zwar getroffen habe,dass sie es aber so nicht annehmen können und es vielleicht auch nie so für sie sein wird…

Montag, 14. Juli 2008

Mein Vater ist heute Nacht gestorben.
An plötzlichem Herzinfarkt nach einem Theaterbesuch zu Hause in seinem Bett.
Irgendwie genauso, wie er es sich gewünscht hatte.
Nachträglich erkennen wir in vielen seiner letzten Äußerungen, dass er seinen nahen
Tod irgendwie geahnt haben muss.
Ich kann's im Augenblick noch nicht fassen und bin ziemlich durcheinander.

Freitag, 4. Juli 2008

Papa,oder der letzte richtige Abenteurer

Gestern kam mein Vater aus Brasilien zurück und sein zögerliches "Jo" auf meine Frage ob's denn schön gewesen ist, brachte mich gleich auf die richtige Fährte:
schon am 2.Tag ist er in Recife schwer gestürtzt ,hat sich Platzwunden zugezogen ,einen Zahn ausgehauen und Prellungen am ganzen Körper zugezogen.
Trotzdem hat er irgendwie seinen "Plan" durchgezogen ,verschiedene Sehenswürdigkeiten, Freunde und Verwandte besucht , ist kreuz und quer durch Brasilien gereist und schließlich in Rio abgestiegen, wo er leider am vorletzten Tag nochmal so schwer stürtzte ,
dass er bewußtlos wurde und von lieben Menschen in ein Taxi verfrachtet und mit dem Notwendigsten versorgt wurde und erst in seinem Hotel wieder zu Bewußtsein kam.


Er behauptet, die Stürze kämen davon ,dass seine linke Hüfte durch einen mehrfach operierten
Bandscheibenvorfall und seine rechte Hüfte ,durch vier(!)maliges operatives Austauschen der Hüftgelenksknochen einfach schlecht koordiniert sind.
Er möchte nun in eine Laufschule gehen,die eine Physiotherapeutin anbietet.
Denn nächstes Jahr,obwohl seine Frau es noch nicht weiß ,will er wieder nach Brasilien reisen.
Er wäre dann 78 und ich glaube nicht,dass es nochmal klappt.
Aber trotzdem, er ist heute mein Held,denn dass er sich mit seinen vielen Handicaps
nochmal alleine auf so eine weite Reise getraut hat, das haut mich echt um.

Ich bin auch froh,dass er gesund-einigermassen-wieder heimgekommen ist und hab ihm erstmal verziehen,dass er mich nicht mitgenommen hat.

Mittwoch, 2. Juli 2008




Im Sommer wäre ich gern eines meiner Pferde!