Samstagmorgen: eine Witwe in ihrem Schloß besucht.
Dabei dachte ich, ich kenne jeden Winkel des Nachbardorfs!
Diese Pracht hat mich umgehauen:riesiger Garten mit
Jugenstilbasin für Koikarpfen,weiße Villa luftig
und großzügig mit Hallenbad, Whirlpool,antiken Sandsteinlöwen,
Kristall-Lüstern und Kirchturmuhr als Tischplatte.
Geschmackvoll, wie in diesen teuren Ambiente Bildbänden.
Teure Pralinen und köstlicher Espresso.
Traurig schöne tapfere Frau!
Ich spüre die Anwesenheit des braungebrannten sympathischen
Sportsmannes,der fröhlich vom Foto auf dem Kamin runterlacht.
Und ich spüre,wie sehr er hier fehlt!
Spätnachmittags Spaziergang mit Abenteuerer und Hund.
Alpenleuchten gen Süden,unglaublich allfarbener Sonnenuntergang.
Streitgespräche,Vorwürfe.
Unsere Zukunft ist nicht gut überlegt.
Nein ist sie nicht!Was,wenn wir doch den vollen Steuersatz
zahlen müssen und der Währungscrash den Rest schluckt,die Kinder
brauchen noch drei Jahre Geld und wir sitzen altersarm in unserer
Ruine in Österreich und können keine Renovierung zahlen?
Der Himmel brennt und er schreit.
Ich geh' ins Dorfhallenbad und schwimme, kühle und reinige meinen
Geist, indem ich schwimme bis mein Kopf ganz leer ist und ich nur
noch Blubbern höre und alle Gedanken und Sorgen fort sind.
Später "Kirschblüten" von Doris Dörrie angeguckt.
Älteres Ehepaar ,Tod,Vergänglichkeit,Perspektiven Sinnsuche und
aneinander vorbeileben,Sohn in Tokio...seltsame Paralellen zu
meinem Leben,hat mir gerade noch gefehlt.