Kurzer Lagebericht aus meiner Hölle:
die schrecklichen Bilder aus Japan haben für uns noch
eine ganz andere Dimension,solange unser Sohn dort irgendwo
unterwegs ist.
Auch wenn seine kräftige Stimme am Handy Optimismus verbreitete ,
trieb die ganze Familie nur ein Gedanke:
der Junge muss SOFORT zurückkommen!
Am Sonntag hatte ich ein Verkaufswochenende mit jeder Menge
Kundschaft und am Telefon,sagte mir mein Sohn,dass er nicht mit
in den Flieger darf,weil die Buchung trotz Bestätigung wieder
gecancelt worden war-ohne mich zu informieren!
Ich bin ziemlich ausgerastet ob dieser verzweifelten Hilflosigkeit.
Die Schwägerin hat dann glücklicherweise doch einen Flug für ihn
buchen können und nach einer bangen Nacht -ich wußte nicht,
ob die Züge zum Flughafen überhaupt fahren würden( und er
sah das ganz entspannt)-tatsächlich war er dann 10Stunden vor
Abflug am Flughafen und ist heut mittag in Richtung Hongkong
gestartet,am Dienstag in aller Frühe wird er in München landen.
Es ist furchtbar für ihn,seine Freunde dort "im Stich" lassen
zu müssen vor allem weil die Gefahr die von den zerstörten
Kernkraftwerken aus geht in Japan völlig 'runtergespielt wird.
Und auf eine Art hat er die japanische Denk- und Lebensart
natürlich auch bereits angenommen.
Ich meine damit die unglaubliche Duldsamkeit,Disziplin und
Opferbereitschaft,mit der die Japaner selbst mit dieser
Katastrophe umgehen.Da wird -nur ein kleines Beispiel-NICHTS
aus den Läden geplündert,die nur zerstörte Scheiben haben und
noch Brauchbares drinnen.Menschen,die mit dem Wasserkanister
für Trinkwasser anstehen entfernen sich lautlos,wenn bekannt
wird,dass der Inhalt des Wassertanklasters für sie nicht
reicht.
Erst kurz vor Abflug dämmerte ihm wohl,was den Menschen dort
verschwiegen wird.
"Wenn alles gutgeht bin ich in einer Woche wieder hier!"sagte er,
bevor er in den Flieger stieg.
Ich frag mich, ob er wohl eine Ahnung davon hat,dass er dieses Land
vielleicht viele Jahre nicht mehr betreten kann und dass seine
Lebensplanung und seine Träume erstmal ebenso in Schutt und Asche
liegen wie das Land ,das er fliehen muss.
Ich hab Angst davor,dass er vielleicht trotz allen Nachrichten hier
wieder zurück in das atomverseuchte Tokio strebt und dass es mir
nicht gelingen könnte, ihn zurückzuhalten.
Aber jetzt bin ich nur einfach unendlich froh,wenn er erstmal heil
hier ankommt,morgen früh!
Unendlich dankbar bin ich auch,dass sein Handy und das Internet dort
noch funktionierte,wir hätten sonst keine Chance gehabt,ihn da raus
zu holen.