Samstag, 28. Dezember 2013

Freitag, 25. Oktober 2013

der mann mit den husky-augen

deine sms hat mich mitten in der nacht aufgeweckt.
"bin jetzt am landesteg-komm runter"ich vergewisserte
mich kurz ,dass alle meine lieben tief schliefen,dann schob ich
pauls moped bis zur wegkreuzung .
von dort liess ich es ohne licht und motor rollen ,bis ich an der
geteerten strasse -ausser sichtweite -angekommen,leise den
motor anwarf.
wieder mal ging es dir am arsch vorbei ob ich dich überhaupt
sehen wollte-du hast nicht gefragt,mich einfach zu dir her bestellt..
..und wie damals hab ich mich ohne zögern auf den weg gemacht:
eine frau anfang fünfzig, mit einer netten familie,deren sohn ihr
ausgerechnet an diesem abend eröffnet hatte,dass sie im frühling
grossmutter werden würde..
mit diesen gedanken knatterte ich auf dem alten moped durch die
stille kühle oktobernacht.
nur acht klometer bis zum fluss ,ich weiss nicht ,ob ich vom
fahrtwind  oder vor aufregung am ganzen leib zitterte,
als ich das moped am ufer abstellte.
es war stockfinster ,kein mensch mehr draussen,der strom floss
tiefschwarz  und zäh wie motorenöl.
als sich meine augen an die finsternis gewöhnt hatten ,sah  ich dein
frachtschiff ,ein schwarzes ungetüm, am landesteg liegen.
es roch nach diesel.
ein richtiges kleines haus mit fenstern,aus denen gelbes licht
schimmerte erspähte ich oben, auf dem mächtigen frachtschiff.
und jetzt sah ich auch deine silhouette -natürlich mit brennendem
glimmstengel.
in diesem moment hast du mich auch bemerkt und mir von der
schiffsbrücke aus heiser zugerufen:
"da drüben ist eine leiter, da kannst du hochsteigen"!
ich hab' deinen knochigen körper umarmt und mich dabei beinahe
an deiner kippe gebrannt...deine narbige haut geküsst.
huskyaugen ,wirre haarfransen die ins gesicht  hängen-alles vertraut
 und alles wie damals.
...und dein sarkastischer humor natürlich,als ich mich später nicht
mehr aus deinen armen lösen wollte  und du immer wieder ungläubig
 gemurmelt hast :"...dass du SO hungrig sein würdest!!!.."..
wie ich heim und in mein bett gekommen bin ,weiss ich wirklich nicht
 mehr-ist vielleicht auch besser so.
Und gut ist, dass du am  nächsten morgen bereits abgelegt hast und
 mit deinem schotterkahn weiter die donau runtergefahren bist ,nach
wien  oder bratislava, bis zum schwarzen meer oder  was  weiss ich
wohin-auf jeden fall ausserhalb meiner gefahrenzone.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

mit hund und pferd zu einem kleinen waldgasthaus geritten.angekommen genau als der volle mond zu sehen war.des gastwirts telefonnummer vom hsndy aus angewählt und freundlich gebeten:"ich stehe mit pferd und hund vor ihrer tür und kann nicht rein um selbst zu bestellen.wären sie so nett mir ein pils rauszubringen??"nach gefühlten stunden kommt der wirt tatsächlich mit einem pils in der hand zur tür heraus.er glotzt mich an ,als wäre ich einer mondrakete entsiegen."wo kommen sie denn her?"fragt er und kratzt sich mit der freien hand am kopf."aus dem nachbardorf,ist das wirklich so schwer zu begreifen??"

Sonntag, 6. Oktober 2013

diamant im frauenmantel


DANKE! Brief an einen Verstorbenen.

Danke für die lustigen Erlebnisse mit dir :für deine Eigenwilligkeit
und deine originellen und skurrilen  Vorlieben,
und dafür,daß du immer "deins" gemacht so,daß wir alle jetzt das
wunderbare Gefühl haben,daß dein Leben rund und erfüllt war.
Danke für deine geistige Großzügigkeit mit der du andere Menschen
(ohne Erwartungen und späteren Tadel) immer(auch finanziell)
darin unterstützt hast, sich ebenfalls  ihre  eigenenWünsche und
Lebensträume zu erfüllen,so wie auch du immer deinen Weg gegangen
 bist.
Und für deine materielle Großzügigkeit,indem dein/euer Haus immer in
allerherzlichster Gastfreundschaft mit einer wortwörtlich, immer
geöffneten Haustür, einladend bereitstand.
Ohne deine großzügige finanzielle Unterstützung hätten deine Kinder,
Schwiegerkinder und  Enkelkinder nicht so eine stabile Basis für ihren
 Lebensstart gehabt!
Danke,dass du GENAU JETZT gegangen bist und so deiner Frau
vielleicht noch  die Möglichkeit gibst,sich ein paar Jahre lang noch leicht
und luftig zu entfalten,ohne den schweren Ballst dich versorgen und
deine zunehmende Unbeweglichkeit und schlechte Laune  ertragen zu
müssen .
Danke,dass du jetzt gegangen bist,BEVOR du ein Pflegefall geworden
wärest und alle finanzielle und spirituelle Energie dadurch absorbiert
worden wäre!
Danke,dass du jetzt gegangen bist, bevor es richtig blöd geworden
wäre.
Danke, dass du auf diese Art aufgehört hast, halbblind, verbotenerweise
mit  deinem Riesenschlitten die Strassen unsicher zu machen!
Danke dass wir  dir den Führerschein jetzt doch nicht mehr" von Amts
wegen" wegnehmen lassen mussten.
Danke,dass du auf diese Art aufgehört hast, deinen/euren Garten
vollends  zu verwüsten und daran gehindert wurdest, dort die letzten
Bäume und Sträucher ausreissen zu  lassen.
Du warst ein origineller Kauz voller Kanten und Ecken und du bist
genau im richtigen Moment elegant und ohne Theater entschwunden!
Ich wünsche dir alles Gute und lasse heute Abend einen Sektkorken
und einen Freudenböller für dich knallen.
(im geheimen,denn der Rest der Familie wälzt sich in triefender Trauer!
..mir wird schlecht,wenn ich diese  verlogenen unpassenden Süßlichkeiten
über dich unkommentiert mit anhören muss und am liebsten würde ich dir
 diesen Brief als Grabrede vorlesen.....)

Samstag, 5. Oktober 2013

der abenteuerer und ich wollten eine kleine reise machen, an den
gardasee.
nach den vielen stressmonaten so als belohnung und einfach mal
für uns zwei.nach anstrengender fahrt waren wir dort angekommen,
koffer ausgepackt,
glückseufzender blick von oben auf den glitzernden see in der dunkel-
heit-da wars auch schon vorbei:
der schwiegervater sei soeben gestorben, sagte schwiegermutter
weinend am telefon.
seinen letzten lebenstag hat er wohl ganz nach seinem geschmack
verbracht:
zweimal noch verbotenerweise mit seiner riesigen protzkarosse
in die stadtgefahren (verboten weil nur noch vierzig prozent sehkraft )
 drei üppige mahlzeiten eingenommen und dann auf seinem geliebten
 sofa in den armen seiner lieben frau  innerhalb weniger minuten
zweiundachtzigjährig am herzinfarkt verstorben.
wegen schwiegervaters tod bin ich kein bisschen traurig,
wegen der verlorenen reise schon.
leider gibts in diesem jahr wahrscheinlich keine termine mehr für eine
gemeinsame reise und wir hätten das schon sehr gern gemacht für uns
 und unsere liebe und überhaupt.