Dienstag, 22. Mai 2018

Seit ich von der Krankheit meiner Lieben weiss,lebe ich in zwei
Realitäten:
Die eine will es nicht wahrhaben.
Sie sieht die fröhliche scheinbar gesunde  Frau und malt und
agiert und kreiert und entflieht auf Ausritte und Yogasessions und
Ballettaufführungen und und und....
 als könnte sie der anderen damit entkommen
als könnte sie dem Tod damit entkommen
Die andere weiss Bescheid.
Ein dunkler  Schatten hat sich über alles gelegt.
Noch schwach.
Aber voller Ahnung.
wie viel Zeit haben wir noch?




Montag, 14. Mai 2018

ungefähr fünf Wochen im Paradies der Sorglosigkeit
waren das:
 der Abenteuerer (mein Exmann mit dem ich noch
immer freundschaftlich verbunden bin) hat eine schwere Herz-Op
gut überstanden, alle meine Lieben gesund und fröhlich, mein
Geschäft läuft super,ich fühle mich sicher und glücklich in meiner
Rolle als Wirtin, auch nach längerer Zeit wieder sicher im Sattel,
habe alles so  gut im Griff,dass es fast täglich einen schönen Ausritt
mit Pferd und Hund in die blühenden Wiesen reicht und so weiter
auf allen Ebenen Glück ...

Mit einem Wort: das Leben ist HEITER.

...WAR heiter, bis gestern abend,als ich von der fatalen Diagnose
einer lieben Verwandten hörte.
Einer,mit der ich schon durch dick und dünn gegangen bin,mit der
ich so richtig was zusammen erlebt habe, Abenteuer, Sorgen,Kinder
kriegen und großziehen, schlimme und schöne Geschichten.
Das verbindet.
Und sie war immer so eine Liebe.Wie oft hat sie mich bei sich
aufgenommen,wenn ich vor meinem Ehemann geflüchtet bin.

Ihre Krankheit kommt für mich aus heiterem Himmel
und reißt mir den Boden unter den Füßen weg.
Erst vor zwei Wochen habe ich mich darüber gefreut,dass sie so
gesund und glücklich aussieht,so ausgeglichen.
Ich habe einfach absolut gar nichts gemerkt.

Dienstag, 8. Mai 2018

In meinem neuen Leben mache ich wieder jeden Tag einen Handstand.
Das habe ich jahrelang nicht getan ,weil mir eine Yogalehrerin davon
abgeraten hat.Inzwischen kann ich selbst herausfinden,was gut
für mich ist.
Ich habe eine Sprossenwand montieren lassen und an diese Wand
gestützt stehe ich jeden Tag ungefähr maximal 30 Sekunden auf den
Händen.
Ich brauche immer 2-3 Anläufe bis ich "stehe" und es sieht sicher nicht
besonders cool aus, eher so wie die obige Zeichnung ,aber das gross-
artige Glücksgefühl hat mich süchtig gemacht.
Ich vermute mal,ähnlich wie unter der eiskalten Dusche schüttet mein
Körper Endorphine aus,wenn ich im Handstand stehe.
Das empfinden  nicht viele Menschen so wie ich und deshalb erzähle
 ich es normalerweise nicht.
Ich habe ähnlich wie bei der "Heldenstellung " im Yoga das Gefühl,
dass mich eine starke Energie durchflutet wenn alles umgedreht ist
und gleichzeitig habe ich auch für ein paar Sekunden einen anderen
Blickwinkel,manche Idee und mancher Gedankenblitz ist mir im
 "ANDERSRUM" gekommen.


Montag, 7. Mai 2018

Eine Ode an Clara...
Clara war Sportstudentin und jobbte letzten Sommer als
Bedienung in unserem Biergarten,bevor sie ihren Abschluss
machte und einen richtigen Job fand.
Clara ist absolut perfekt.Mit ihren 184 cm Körpergrösse
(obwohl sie wie alle grossen Frauen immer behauptete,
175cm groß zu sein-maximal) überragte sie auch die meisten
männlichen Gäste und wenn wir uns darüber beklagten ,
dass wir die schweren Tabletts treppauf treppab in den
Biergarten befördern mussten, so war das für sie höchstens eine
kleine sportliche Übung, zum Warmwerden, maximal.

So unverwüstlich wie ihr kräftiger Körper, war auch ihre
Freundlichkeit gegenüber den oft nervigen Gästen.
Einmal hat sie mir allerdings, ungewollt, einen gewaltigen
Schrecken eingejagt:
Ihren kräftigen Körper habe ich schon erwähnt.
Aber unglaublich kräftig ,praktisch überdimensional riesig
ist ihr Hinterteil.
An diesem Samstag arbeitete sie schon im Biergarten,als
ich dazu kam.
Sie trug ein schwarzes Top,eine haut-oder rosefarbene
Leggins und die schwarze Serviceschürze.
Ich hatte meine Brille nicht auf und für mich sah es so aus,
als hätte sie gar keine Hose an.
Es verschlug mir die Sprache und ich  brachte nur krächzend
heraus:
"Um Himmelswillen, Clara, warum????...."
Aber da war ich schon nah genug dran, um zu sehen,dass sie
sehr wohl eine Hose anhatte, eine hautfarbene halt..
Sie drehte sich um und lachte mich mit ihrer unverwüstlichen
Freundlichkeit an und sagte:
"Was ist los Chefin? Alles in Ordnung..?"

Montag, 23. April 2018

Richtig blöd an der Gastronomie(bezw. unserem Gastro-Projekt)
 finde ich, dass ich immer dann frei habe,wenn andere arbeiten..
und immer dann arbeiten muss, wenn andere ein Fest machen.
So störte mich heute morgen als ich aussschlafen wollte ,das
laute Geräusch des Laubföhns auf unserem Dorfplatz (früher
gab es Besen,die waren lautlos und die Gemeindearbeiter hatten
gleich ein kleines Fitnesstraining...) und als ich später in bester
Freizeitlaune auf ein Schwätzchen bei der Schwester vorbei
schaute, musste sie ständig an ihr Geschäfts- Telefon und
bereitete nebenbei ein Essen für ihre Familie zu.
Ich musste aufpassen,dass ich ihr nicht im Weg rumstand
und kam mir ein bisschen störend vor.
Zu Geburtstagen oder Grillfesten, die samstags stattfinden, werde
ich schon gar nicht mehr eingeladen und ich bin richtig froh,
dass es ein paar wenige Freunde gibt,die uns so gerne dabei
haben wollen, dass sie Treffen und Feste auf Montagabend oder
Dienstagabend legen, denn da kann ich immer.

Donnerstag, 19. April 2018

Sonntagmorgens sitzt eine wohlbeleibte ältere Dame allein im
Biergarten
Ihre teuren Klamotten zeugen von Geschmack  und Wohlstand.
Sie blickt schmachtend in Richtung Gastraum,da wo sich unsere
 kleine Kunstausstellung befindet.
Sie winkt mich her."Eine sehr beeindruckende Ausstellung"säuselt
sie.(das ist gelogen, die Bilder sind diesmal unterdurchschnittlich)
"sagen Sie mal, wie rekrutieren sie denn Ihre Künstlerinnen?"
...natürlich weiss ich längst Bescheid aber ich quäle sie ein bißchen
und frage scheinheilig: "Warum fragen Sie? Kennen  Sie vielleicht
jemanden,der bei uns ausstellen möchte"
"Ja! " ruft sie begeistert,dass das Gespräch in die richtige Richtung
kommt "JA! MICH!"
"Wissen Sie,ich male sehr gut ...und auch sehr viel...das ganze Haus ist
voll..ich habe keinen Platz mehr,ich muss die Bilder dringend ausstellen"
Jetzt bin ich froh,sie an meine "Kuratorinnen "verweisen zu können.
Die werden sie vertrösten.
Es gibt eine lange Warteliste.
Und ich habe mir den Namen geben lassen und die Künstlerin ge-
googelt.Die Bilder sind so langweilig wie vermutet.
seufz! so viele Bilder,so viele Künstlerinnen,die unbedingt ausstellen
und am Besten auch noch ihre Bilder verkaufen würden..
Anstrengend sind diese Damen...allerdings habe ich einen ganz guten
Weg gefunden,sie zu meinen Gästen und guten Kundinnen zu machen
denn sie sind alle wohlhabend

Dienstag, 17. April 2018

Wann immer ich die Zeit finde, male ich ein kleines oder grösseres
 Bild.
Ich habe ein großes Büro/Atelier mit einem riesigen bunt
bemalten Zeichentisch, Farben  Leinwände,Kartons und Bastel-
zeugs liegen immer bereit.
Was für eine Freude!
Ich zeichne Cartoons aus Spass um kuriose Situationen zu
Papier zu bringen-oder meine Träume.
 ..oder einen Flyer für mein Gasthaus oder die Speisekarte.
Eigentlich ist mein "Malfeld" unbegrenzt.
 
Aus alter Tradition stellen wildgewordene Hausfrauen, die sich
als verkannte Malerinnen sehen, immer wechselnd bei uns im
Gasthaus aus.
Diese Damen sind sehr speziell.
Alle haben wohlverdienende Ehemänner,die ihnen diesen Spass
finanzieren.
Im reifen Alter lechzen sie nach Anerkennung und Bewunderung.
Ich sehe sie als Gästinnen,an denen ich gut verdienen kann.
Allerdings ist die Hierachie und der Neid unter den malenden Damen
manchmal schon eine Prüfung für mich.
...dann gehe ich in mein kleines Atelier und zeichne einen boshaft-
treffenden Cartoon und ich habe das für mich wieder umgedeutet.
Wenn ich mich richtig aufrege,dann denke ich für mich . das gibt guten
Stoff für einen neuen Cartoon...
Siehe oben ,das war eine Schreckschraube bei der Vernissage ihrer
eigenen Gemälde.. sie hat eine lange furzlangweilige Rede über
die "richtigen Malerinnen"(zu denen sie selbst sich zugehörig fühlt)
und die Dilettantinnen die mit der inflationären Masse ihrer Kunst
den Markt verderben,gehalten.
Ihr eigener Ehemann,der das alles finanziert , residiert im schönen
gemeinsamen Haus überigens in einer Art Besenkammer, weil
Madame die Räumlichkeiten für Ihre Malerei und ihre Bilder
braucht(die das Kaufhausniveau nicht überschreiten)