"Eine der wichtigsten (sozialen) Funktionen eines Tagebuchs besteht genau
darin,
heimlich von anderen Leuten gelesen zu werden, von den Leuten
(wie Eltern + Geliebte), über die man sich nur in seinem Tagebuch mit
grausamer
Ehrlichkeit geäußert hat."(bei wildgans gelesen 31.dez 12)
NEIN NEIN NEIN!!!
jahrelang habe ich meine "Morgenseiten"geliebt und kultiviert,mit meinem
Tagebuch so ziemlich alles durchgenommen..
..vor Sonnenaufgang mit einer Riesentasse Milchkaffee zwischen Tag und
Traum zu schreiben und zu klären,wie frisch gewaschen und beschwingt
den Tag anfangen-das war schön und das war gut.
Dann kam die Ehekrise und der Abenteuerer hat seine Frau nicht mehr
verstanden und angefangen zu schnüffeln(später hat er gestanden,
dass er schon immer geschnüffelt hat,aber früher halt so richtig heimlich)
Ich weiss nicht was ich verwerflicher finde,das heimliche
Lesen und für sich behalten oder das Geständnis, Geheimnisse gelesen
zu haben und für diese Geheimnisse Erklärungen zu verlangen .
Und, wie in einem ganz besonders üblen Fall geschehen, ein ururaltes
Tagebuch von mir zu lesen, eine Stelle zu präsentieren,an dem ich mich
,sehr jung und sehr verletzt, mit wirklich abscheulichem Vokabular
brieflich an einem Exliebhaber rächte!!!
Aber um noch eins draufzusetzen leitete der Abenteuerer
(der ja auch Psychiater ist..)
aus diesem Text mein schon immer gestörtes Verhältnis zur Männerwelt
und damit SEINE UNSCHULD an unseren Eheproblemen ab.
Auch wenn ich ein bisschen Verständnis für den Mann aufbringe,
der wirklich nicht weiss was in mir vorgeht und wie und ob es mit uns
weitergeht (immer noch nicht und ich weiss es selbst nicht )
...seither kann ich nicht mehr froh und filterlos drauflosschreiben.
ob das schade ist,weiss ich nicht,denn ich habe inzwischen eine andere
Möglichkeit gefunden ,mich auszudrücken:ich schreibe male fotografiere
zerreisse und verklebe.
Das Ergebnis ist befreiend,gewiss nicht immer schön anzusehen und für
den Betrachter bleibts ein Geheimnis,mein Geheimnis.
9 Kommentare:
Als ich dreizehn war, etwa, hat meine Mutter den Pappriegel von meinem Tagebuch AUFGESCHNITTEN und darin gelesen. Als ich heimkam nach der Schule lag mein Tagebuch also vergewaltigt und aufgeschlagen demonstrativ auf meinem Schreibtisch.
Soviel zu "Heimlichkeit".
Es gibt einige Dinge, die respektiere ich einfach. Bei den Kindern vielleicht nicht bedingungslos, aber bei meinem Holden schon.
Manches konnte mich noch so sehr wurmen und umtreiben, selbst wenn es quasi auf dem Präsentierteller vor mir lag, habe ich es nicht angerührt: Offenes Facebook-Profil, E-Mail-Programm, Handy voller SMS oder auch die Frage, wann er sich wo aufhält und mit wem.
Um so grauenhafter, dass umgekehrt von seiner Seite aus dies nicht galt.
Dabei ist dieses Maß an Privatsphäre das Einzige, was - zumindest mich! - davor schützt, mich vollständig und endgültig aufzulösen im Liebes- und Familiengetriebe.
welche arroganz :(
gerade bei einem psychiater …
zum glück hast du für dich ein anderes ventil gefunden …
lg anne
oh, dachte, hier wäre größere pause...nun doch nicht- und gleich wieder back into my blogroll!
" ...ich habe inzwischen eine andere Möglichkeit gefunden ,mich auszudrücken:ich schreibe male fotografiere, zerreisse und verklebe."
Ja - das tust Du formidabel.
Ein langer Kommentar ist leider eben im Äther verschwunden, daher nur noch kurz:
Der Mann hat sich hier ein klares Eigentor geschossen.
Was dem einen vielleicht harmlos vorkommt, ist für den anderen ein schwerer Vertrauensbruch. Sowas kann ein gelernter Psychiater doch wissen. Wie jeder andere Mensch auch.
Die Nummer - Dir im Anschluß an seine Verfehlung auch noch eine Störung zu attestieren - ist eine klassische. Viele derart Verwirrte (so etwas ist im ersten Moment verwirrend) würden das vermutlich auch noch glauben.
Ich wünsche Euch jedenfalls - eine gute Meisterung der Krise, liebe Grüße, Sati
PS: Genial - der getigerte Hund und der gemalte Teppich neulich ... mach weiter!
Ich hasse Schnüffelei. Ich hatte so eine schnüffelnde Mutter. Unangenehm. Übergriffig. Zwischen uns hat sich bis heute kein Vertrauensverhältnis mehr aufgebaut. Ich habe einen Mann, der mir vertraut, dem ich vertraue - und wir schnüffeln beide nicht. Ganz einfach und angenehm. Obwohl ich ein sehr neugieriger Mensch bin.
Ich finde es schade, dass dir dein filterloses Drauflosschreiben genommen wurde. Aber Bilder etc. wären ja auch interpretierbar. Kommt vielleicht noch.
Viele Grüße
Lisa
danke für eure kommentare,ich hoffe euch in den nächsten tagen antworten zu können,sieht aus als würde es etwas ruhiger werden hier
Jaja, auch Psychater sind "nur" Menschen. Die ihren Beruf oft aus ganz persönlichen Gründen wählen.
Um die Schuld(ich bevorzuge Verantwortung)von sich wegzuschieben muss man nicht unbedingt studieren, es ist so viel einfacher alles auf den Andern abzuwälzen. Leider. Weil es einen selber am Weiterkommen hindert.
Was ist schade finde ist, dass es Dich am Schreiben hindert, obwohl deine Bilder natürlich auch Klasse sind.
Ich hoffe Du findest zu Deine Spontanität zurück, herrlich erfrischend übrigens.
Weil, wenn es dem Abenteurer nicht gefällt, braucht er es ja einfach nicht mehr zu lesen. Wenn er es weiter tut, findet er vielleicht einen Teil hier wieder von dem, was ihm an Dir gefiel/gefällt, auch wenn er kritisiert...
Ich wünsche Euch alles Gute!!!
@kvinna deine Geschichte vom vergewaltigten Tagebuch hat mich besonders berührt.Gerade in diesem "verletzbaren"Alter ist so ein offener Übergriff besonders schlimm.
Ich bewundere,dass du offene Facebook
accounts und Handys nicht gelesen hast,gerade in deiner Situation.Ehrlich,wenn was "offen" rumliegt,guck ich es immer an,egal von wem und wo,aber Verstecke und Schlösser repektiere ich.
@Anne:wie auch Bea weiter unten sagt:
Psychiater sind auch nur Menschen.Nur weil sie zu einer bestimmten Art von psychisch kranken Menschen einen Draht haben ,heisst es mitnichten,dass sie mit ihrem eigenen Leben und ihrer Patrnerschaft und Familie besser umgehen können.Im speziellen Fall kann ich verstehen/verzeihen,dass der Mann,der seine Frau einfach nicht mehr versteht und auch fürchtet,sie zu verlieren Tabus bricht, um an Informationen ran zu kommen,die ihn existenziell betreffen.soweit...
aber daraus vernichtende Diagnosen abzuleiten und Schuldzuweisungen im momentanen Beziehungskonflikt zu konstruieren,das ist nicht nur jämmerlich sondern liegt auch noch meilenweit DANEBEN.
Mein Problem war jahrelang,dass ich hauptsächlich IHN um mich rumhatte und er mich mit seiner Denkweise vollkommen infiltriert hatte.Ich war eine sehr unselbstständige,ängstliche und passive Frau.Erst seit ich wieder `RAUS gehe und mit anderen Menschen eigene Verbindungen,Freundschaften habe,alleine reise etc,gelingt es mir zu relativieren,was SEINE Welt ist und was MEINE Welt ist.
Und ja ich schreibe wieder.Nicht zuletzt haben mich eure Ermutigungen wieder dazu gebracht morgens zuerst schüchtern mit den "Morgenseiten" wieder anzufangen.Ja ,Bea vielleicht liest ER was,was ihn weiterbringt...und malen,kleben und basteln tu ich natürlich weiterhin.war vielleicht gar nicht schlecht,das eine zeitlang als einzige Ausdrucksmöglichkeit zu haben,so konnte ich es ein bisschen kultivieren...;)ichwagte es übrigens jahrzehntelang nicht überhaupt etwas "kreatives" anzupacken weil ich des Abenteuerers strenge Kritik fürchtete...auch hier hat sich was verändert!!
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