Freitag, 18. Dezember 2009





Im Sonnenschein mit richtig dicken Klamotten macht uns der Eiszauber einen Riesenspass.Den Pullover in meinen Lieblingsfarben hat Dora mir gestrickt.Vielen Dank!

Donnerstag, 17. Dezember 2009



Winter,Schafe vor meinem Haus.
Kalt genug für meinen Thermomantel,der wie ein Armeeschlafsack mit Ärmeln aussieht.
Während ich heißen Milchkaffee aus Eimern trinke, höre ich am Telefon der Tochter vogelwilde Reiseabenteuer:
Vorgestern mit einem klapprig-überfüllten Kahn durch die Backwaters in Kerala geschippert,gestern mit einem wildfremden Jüngling samt Riesenrucksack auf dem Motorrad durch die Metropole Mangalore getuckert um ein Billigzimmer zu beziehen,in dem die Kakerlaken grad ein Fest feierten.
Natürlich hatte sie auf dem Motorrad keinen Sturzhelm auf und erst vor ein paar Tagen ist so ein Kahn gekentert,als alle Passagiere auf eine Seite gingen,um ein Krokodil im Wasser zu beobachten.
Ich schwanke zwischen Sorgen und Bewunderung für meine Tochter,die da mutterseelenallein unterwegs ist-so wie wir es eben zuhause NICHT ausgemacht hatten.
Jedenfalls bin ich schon sehr froh,wenn sie ab Anfang Januar im Pfadfinderinnen-Weltzentrum in der Nähe von Goa ankommt und den Rest ihrer Reise, bis März dort bleibt.

Samstag, 5. Dezember 2009



Während die Tochter mir die unglaublichsten Fotos, Yogatipps und anderes von den schönsten Stränden Indiens schickt empfange ich wieder jeden Tag Leute,die sich hier für unser Haus interessieren.
Gestern war ein Feuerwerks-Hersteller da der ein abgelegenes Haus für seine Knallkörper sucht,ein Juwelier der Pferde züchtet und heute wird eine Pudelzüchterin
kommen.Es ist lustig und ich finde gerade wieder Spass an diesen vielen verschiedenen skurilen Menschen.
Vielleicht kann ich,wenn das Haus verkauft ist auch ENDLICH wieder auf Reisen gehen.

Sonntag, 29. November 2009

der explodierende Besenschrank
in der engen Hochhauswohnung meiner Kindheit gab es im Flur einen Besenschrank,
in den hat die Mutter alles hineingestopft,was nicht für andere Augen bestimmt war:
die Hemden vom Vater,die sie nicht gebügelt hatte, obwohl er sie brauchte,teure Stoffe aus denen sie sich- auch heimlich-Kleider in ihrer Übergröße schneidern lassen wollte,Bücher,die sie sich trotz Ausgabenstopp wegen immerknapper Kasse bestellt hatte und jede Menge leere Flaschen,heimlich ausgetrunken und Unrat von dem sie versprochen hatte,ihn zum Sperrmüll zu bringen.
Es war eingentlich fantastisch,wie es ihr gelungen war,soviel Zeugs in einen so kleinen Schrank zu pressen!
Leider öffnete mein argloser Vater an einem langweiligen Samstagmorgen (als er nicht ins Büro musste)diesen Schrank.
Obwohl,soweit kam er gar nicht.
Er drehte den Schlüssel des Schrankes in der Absicht,ihn zu öffnen.
Wie von einer gespannten Feder herausgeschossen,ergoss sich der Inhalt des Schrankes auf ihn, über ihn und um ihn herum.
Der Ahnungslose sah sich völlig unvorbereitet mit einem großen Haufen Unrat,Lügen,Scherben und Geheimnissen konfrontiert,die sich lange dort angestaut
und ihm aufgelauert hatten.
Zwischen den Eltern entzündete sich ein heftiger Streit mit viel Wehgeschrei,der sich erst langsam beruhigte,als sie gemeinsam aufräumten, was aus dem Schrank geflogen war.
Es hat nichts genützt,dass der Vater fürderhin den Schrank regelmäßig kontrollierte und den Schlüssel öfters abzog.
Die Mutter hat im Keller ein neues Depot angelegt und heimlich gekaufte Stoffe, Bücher und Schmuck auf mehrere kleine Schränke verteilt.
"Du hast wohl versehentlich einen Besenschrank geöffnet" ist bei uns seither zum
geflügelten Wort gediehen,wenn jemand unverhofft eine Menge Ungemach und Altlasten auf sich zieht,die nicht mal unbedingt für ihn bestimmt waren.
So gehts mir jetzt mit Schwester Nilla.
Ahnungslos hatte ich sie aufgefordert der Stiefmutter mit etwas mehr Freundlichkeit zu begegnen,da finde ich mich mit Beleidigungen und Vorwürfen überschüttet.
Offensichtlich dem Inhalt einer ziemlich vollgestopften Besenkammer.



Oben:Tochter:Imbissbude in Chennai(Madras)überall diese wunderbaren Schriftzeichen
in Tamil.Wusstet ihr,dass dieses Alphabet 260 verschiedene Schriftzeichen hat?

Unten:Sohn:Herbst in Sudami/Japan.Die Naturbilder von Japan strahlen für mich immer so viel Ruhe aus.Und Disziplin,in jedem Strauch.

Die Kinder machen mich neidisch mit ihren Bildern von der anderen Seite der Welt..oder besser zwei anderen Seiten der Welt...
während ich HIER bleiben muss und einfach NICHTS mehr passt.
Ich hab dem Weihnachtsschwager eine kurze Mail geschrieben um ein stressfreies
gemeinsames Weihnachtsfest zu planen ,wenn der Sohn aus Japan kommt, und erhielt
fünf Seiten zurück,warum es dafür bereits zu spät ist und was wir die letzten
Weihnachten falsch gemacht haben.
Mit Schwester Nilla Schwierig versuchte ich einen Konsens zu finden,wie wir Weihnachten dieses Jahr gemeinsam feiern können,da unsere fast gleich alten Söhne sich sehr mögen und beide erwartungsfroh von sehr weither kommen werden.
Dabei gilt es noch gleichzeitig ,den Besuch einer einsamen nervigen Stiefmutter miteinzubauen.
An irgendwas ist sie ausgerastet und hat mich wüst beschimpft und angekündigt,mir fürderhin aus dem Weg zu gehen.

Ein leicht frustrierender Beginn der Adventszeit für Eine ,die sich vorgenommen hat,
diesmal alles ganz anders zu machen.

Sonntag, 15. November 2009

Ahnungslos hatte ich die Schwägerin zum Shoppen begleitet.
In einer teuren Boutique schlüpfte sie erst in ein enges
Schwarzes,das sehr feierlich aussah ,dann in ein Feuerrotes
und zuletzt in ein antrazitgraues ganz Schlichtes.
Jetzt kam das feierliche Schwarze nochmal dran.Mit einer
schwungvollen Bewegung hielt sie ihr Haar zu einer Hochfrisur
nach oben und tänzelte zwischen Spiegel und mir herum.
"Mach ein Foto" rief sie und warf mir ihre Kamera zu.
Als sie sich abermals in dem Feuerroten zeigte,sagte ich,um
endlich eine Entscheidung herbeizuführen: "Ich würde dieses
Kleid nehmen,es steht dir am allerbesten."
Sie sah mich ziemlich verblüfft an unds antwortete:" Hä?
Ich wollte doch kein Kleid kaufen! Darin sehen wollte ich mich!"

Ähnliches muss Schwager und Schwägerin (beide sehr groß und
wohlbeleibt) dazu getrieben haben, einen Sommer lang jedes
Wochenende bei einem anderen Autohaus in der Stadt ein todschickes
Cabrio für eine Kaffeefahrt zu uns aufs Land auszuborgen.
(Wobei mein Lieblingsauftritt eindeutig der war, als die beiden
riesigen Menschen sich aus einem pinkfarbenen winzigen Smart-Roadster
schälten und nachher wirklich kaum wieder da rein kamen..

"Über die schlimmsten dieser Spass-Testfahrer führen wir
markenübergreifende Steckbrieflisten!" klärte mich Nilla ,meine
autoverkaufende Schwester kürzlich auf.

Dieses "nur-zum-Spass-Angucken" scheint produktübergreifende Lebensartzu werden,
das fürchte ich ,seit immer mehr völlig ungeeigneteHausinteressenten
bei mir auftauchen.
Eine Kaffeefahrt aufs Land,kombiniert mit einem Waldspaziergang und der
Besichtigung eines,meines Hauses,das aus verschiedenen Gründen
von vornherein gar nicht infrage kommt.
Ja ich zweifle daran,dass diese Leute überhaupt ein Haus kaufen wollen.

Donnerstag, 12. November 2009





(Sonntagmittag am Bodensee)