Donnerstag, 28. Januar 2010





mittags riss der Himmel kurz auf:Zimtsternchen wirbelte mit mir
durch den sonnig-grimmig-kalten Puderzuckerfunkelwald.
Leider wird bei derartig verlockendem Wetter das Kriegsbeil zwischen
Langläufern und Reitern wieder ausgegraben und ein spindeldürres
Männchen,in einer wespenartig-geringelten Strampelhose schrie uns bösartige
Verwünschungen nach.Schade, dass Zimtsternchen vom Stöckefuchteln und
seinem ordinären Rasierwassergeruch ziemlich nervös wurde,sonst wäre ich
noch ganz anders mit ihm umgesprungen!
Nachts veranstalteten wir, bei der auf Zwischenstopp in ihrem alten Haus
einkehrenden Lieblingsschwägerin,ein Mitternachtsstelldichein.
Es gab Gulasch,Spätzla, selbstgebackenen Kuchen und Champagner.
Als wir gemütlich an ihrem großen Tisch sassen erschien ein gewaltiger
Schatten im Türrahmen: die andere Schwägerin gesellte sich auch noch zu
uns.Sie hatte ihren riesigen Körper in einen weit schwingenden braunen
Plüschpelzmantel gehüllt."Du siehst aus wie Hagrid!" schrie ich begeistert.
Ich glaube sie war ziemlich beleidigt.Ihr angesrebtes Schönheitsideal ist immer
noch Audrey Heburn.
Ich begreife nicht,wie ein prachtvolles Weib,mit fast 55 völlig faltenlos
und ohne ein graues Haar in ihrem dicken blonden Schopf, lieber aussehen
will wie ein verhutzelter Hungerzwerg!

Dienstag, 26. Januar 2010

Ein seltsames Jubiläum:das zwanzigste Hausinteressentenpaar
trampelte gestern durch unser Waldhaus.(Da fast alle mindestens
zu zweit kamen haben wir nun schon vierzig Menschen durch unser
Haus geführt!!!)
Ein dickes Zwillingspaar mit Igelfrisur,sie in karottenrot,
er in schlichtem Braun,Partnerlook in zu engen Armeejacken,kleine
unfreundliche Knopfaugen.
Frau Igel fragte:" Wie soll ich jeden Morgen um sechs von hier nach
Ulm kommen?" Und Herr Igel fragte:"Und wie soll ich jede zweite Woche,
wenn ich Frühschicht habe, von hier um drei nach Stuttgart kommen?"
Frau Igel sagte:"Die Treppe ist viel zu steil für meine bettlägrige
Mutter!" Herr Igel sagte: "Und der Garten ist zu steil für meinen
Aufsitzmäher" Frau Igel bestätigte:"Genau und für unsere Gänse und Enten
wär das auch nichts.!"
Dann gingen sie und ich hoffe,dass nicht noch ungeeignetere Exemplare
meine Zeit stehlen mögen und bereue,wegen dieser Personen auf einen
Ausritt mit Zimtsternchen verzichtet zu haben!
Gestern hatte ich noch eine nachträglich recht erfrischende Auseinander-
setzung mit Gießbert (so nenne ich meinen Mann neuerdings: es ist eine
Kombination aus einem seiner Rufnamen und dem Namen des uralten Hofes,
den wir in Ö.vor einigen Monaten erworben haben.Er mag es noch nicht
wirklich aber er wird sich dran gewöhnen)er meinte jedenfalls ich wäre
vom unsinnigen Konsum "unerfüllter Wunschbücher" in ein "Forest-Gump-Syndrom"
geraten,was bedeuten soll:Der Glaube daran,dass sich alles ohne jede Anstrengung
so fügen wird,wie ich es beim Universum bestellt habe,hätte mich in ein
arbeitsscheues Phlegma verwandelt.
Bei allem Ärger,den seine provizierende Ausdrucksweise jedesmal in mir hochjagt,
da ist was dran:wünschen und träumen ohne Vision ,Perspektive und Aktivität
-hat etwas sehr Lähmendes.
Ich darf zur Beruhigung allerdings anmerken,dass ich meine Wünsche und Bestellungen beim Universum ständig mit bunten Visionen und Aktivitäten verstärke.
Meine geschäftliche Inaktivität hat andere Gründe :hier ist alles z'amn gefroren,
ich hoffe,dass keine Kunden kommen,letztes Jahr ist eine alte Frau auf unserem
Grundstück gestürzt.

Samstag, 23. Januar 2010

Gestern erhielt meine Schwester einen Anruf aus dem Nachbardorf.
Ein Ehepaar hatte ihre, seit Anfang Dezember vermisste, Katze Nessel
bei sich aufgenommen und die Vorbesitzer anhand der Tätowierung
im Ohr ausfindig gemacht.
"Bitte lassen Sie sie bei uns,sie ist unser ganzes Glück!" bat die Frau
am Telefon.
Obwohl meine Schwester außer Nessel noch sieben weitere Katzen auf ihrem
Hof zu versorgen hat,würde sie niemals
ein Tier in anderer Leute Obhut geben,ohne den neuen Platz vorher aufs
Genaueste inspiziert zu haben.
Sie fuhr also sofort dorthin,ihre beiden größeren Kinder als Berater im
Schlepptau.
Nessel,die schneeweiße Katze, mit nur einem kleinen, getigerten
Fleck auf dem linken Ohr, lag bei den Leuten auf dem Sofa,dekorativ auf
einem roten weichen Kissen.
Und sie war fett! So unglaublich fett-gemästet,
dass sie kaum laufen konnte und nur anhand der unverkennbaren Zeichnung
zweifellos zu identifizieren war.Auf dem Boden stand ein Teller, mit Gold-
rand, voll gehäuft mit diesem Delikatess-Katzenfutter und in einer Tasse(!)
daneben "Miezi-lac" (Katzenmilch zum Aufpäppeln mutterloser Katzenkinder).
Meine Schwester sagte streng zu dem Ehepaar:" Was Sie mit dieser Katze ge-
macht haben, hat mit Tierliebe nichts mehr zu tun!"
Und zu der Katze,die immer noch griesgrämig auf ihrem Kissen lag, sagte sie
"Schäm dich,Nessel!Du warst zehn Jahre lang bei mir,elf Katzenkinder haben
wir zusammen aufgezogen! Du warst immer eine schöne,sportliche Katze und eine nützliche Jägerin!Pfui,was bietest du uns jetzt für einen Anblick"
Sie ignorierte die Tränen in den Augen des Ehepaars,das sich gegenseitig
stützte und fällte eine für sie typische, sehr weise Entscheidung:
"Nessel soll selbst entscheiden,wo sie zukünftig leben will.Wir nehmen sie
jetzt mit nach Hause.Falls sie zu Ihnen zurückkommt,wird sie nicht mehr
abgeholt."
Ihr Sohn schleppte die leis' fauchende Katze ins Auto.
Sie hat genau eine Runde in ihrer früheren Heimat gedreht,einmal durchs Heu
und durch den Pferdestall,hat jedem ihrer Kinder eine Ohrfeige verpasst,
angewidert am kärglichen Trockenfutter geschnüffelt-und ward' nicht mehr
gesehen.
Ihre neue Familie hat wenig später überglücklich von ihrer Rückkehr berichtet.

Freitag, 22. Januar 2010

Am frühen Nachmittag kam ein Baumpfleger,dem der meterhohe
Schneeball im Garten sehr gefiel und etwas später eine
dunkelhaarige Lehrerin mit sehr sanfter Stimme,die ein
Yogazentrum im Waldhaus eröffnen möchte.Ihr Ehemann war auch
dabei,er stellte sich als Banker vor,doch seine Frau sagte mir
geheimnisvoll, er wäre "Heiler" (was immer damit gemeint sein mag).
Ich gab alles:nette Blümchen auf dem Tisch,ein Apfelstrudel
im Backofen verströhmte heimelige Wohlgerüche,leise Meditationsmusik
und eine Kanne dampfender indischer Brahmi Tulsi Tee sorgten für
allgemeine Verzauberung....

Donnerstag, 21. Januar 2010


Heut' hat sich ein sehr großer und dicker Musiker mit langem
Wallehaar unser Waldhaus angesehen.Er sagte Haus und Hof wären ihm
zu groß.
Nachmittags kam eine Bauunternehmerfamilie mit einem Rhodesian Richback
(das sind diese riesigen Energieknäuel,die in Afrika Löwen jagen),der
Hund flog vor Freude immer in Kopfhöhe an uns vorbei,aber seine Besitzer
fanden das Haus leider zu klein für ihre große Familie.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Gestern empfing ich folgende Hausinteressenten:
einen Feuerwerker mit funkelndem Blick,der seine Knallkörper im
Waldhaus lagern,zusammenbauen und vielleicht auch probezünden will.
Das kriegt er natürlich nie genehmigt und ich kann ihn getrost ver-
gessen.
Außerdem kamen noch zwei Pudelzüchterinnen,Mutter und Tochter.
Sie hatten ihr Haupthaar im gleichen apricot gefärbt,wie ihre
flauschigen Lieblinge.Nach ihren unzufriedenen Schnütchen zu
urteilen hielt sich deren Begeisterung in Grenzen.
Als es fast dunkel wurde, kam ein Juwelier im edlen Kashmere-
Mantel,schöne Ringe an den schmalen Fingern.Ihm hat alles ganz
gut gefallen,aber er gab offen zu,kein Geld zu haben und fragte
nach Finanzierungsmöglichkeiten und Mietkauf,woran wir kein
Interesse haben.